Der Weingarten im Sommer

Jetzt im Sommer müssen wir kräftig anpacken, denn die Reben brauchen besondere Aufmerksamkeit.

Juli – August

 

Mitte bis Ende Juli ist die Blüte abgeschlossen, und die Reben wachsen bei sommerlichen Temperaturen und guter Niederschlagsverteilung rasch. Die Beeren werden größer, die Triebe ranken sich am Drahtgerüst nach oben. Im Weingarten wird weiter überzähliges Grün entfernt, und die Triebe werden in mehreren Arbeitsdurchgängen mit der Hand in den Drahtrahmen „eingestrickt“ – als Schutz vor Windbruch und für Halt und Unterstützung beim Wachstum nach oben.

Niko Ulceluse beim Einstricken der Reben in den Drahtrahmen.

Obwohl die Südsteiermark kein heißes Weinbaugebiet ist, kann die Sonneneinstrahlung auf die steilen Weinberge sehr stark sein. Um die Trauben vor Verbrennungen zu schützen, ist eine abschirmende Laubwand sehr wichtig. Ist diese allerdings zu dicht, entsteht zu viel Feuchtigkeit im Inneren der Rebe, und es ist schwer, die Trauben gesund zu halten. Daher ist eine individuelle Laubarbeit je nach Rebsorte und Ausrichtung des Weingartens entscheidend: Auf kühleren Ost-Lagen mit schwacher Sonneneinstrahlung entfernen wir per Hand mehrere Blätter, bei heißen Süd- und Westlagen belassen wir die äußeren Blätter am Stock und zupfen nur die inneren Blätter aus der Rebe. Das sorgt für luftige Bedingungen und eine lockere Laubwand, die Trauben trocknen nach einem Regen rasch ab, sind aber vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt.

Die Sonne kann heiß sein, auf den Steilen Lagen - da braucht es individuelle Laubarbeit für jeden einzelnen Weingarten.

Es ist auch die Sonne, die später im Herbst über Aromatik und Geschmack der Trauben entscheiden wird. Ebenfalls wichtig ist die Anzahl der Trauben, die ein Rebstock mit Wasser und Nährstoffen versorgen muss. Noch im Sommer schneiden wir daher per Hand überzählige Trauben weg: Für bestmögliche Weinqualität streben wir nur ein Kilo Trauben oder umgerechnet eine Flasche Wein pro Weinstock an. Während die Reben gedeihen, wächst auch das Gras zwischen den Zeilen. Bevor es die Höhe der Trauben erreicht, wird es gemulcht. In den steilsten Weingärten ist dies nur mit der Sense möglich – eine mühevolle und verantwortungsvolle Aufgabe, denn die Rebstöcke dürfen beim Mähen nicht beschädigt werden. In Junganlagen bis zum Alter von drei Jahren lockern wir den Boden unter den Rebstöcken mit einer Haue. Bei diesem so genannten „Heindln“ wird das Gras entwurzelt, Stickstoff mobilisiert und das Wurzelwachstum der Jungreben gefördert.

Für beste Weinqualität wird der Ertrag auf ein Kilo Trauben oder umgerechnet eine Flasche Wein pro Weinstock reduziert.

Neben den händischen Arbeiten müssen die Weingärten auch bei der Pflanzengesundheit unterstützt werden. Vielfältige Begrünung und Erhalt von Hecken und Wiesenstreifen fördern die Nützlinge und sorgen dafür, dass tierische Schädlinge den Reben nichts anhaben. Durch vitale Böden und gute Laubarbeit fördern wir die natürliche Widerstandskraft der Weinstöcke, ganz ohne Pflanzenschutz ist es aber nicht möglich, gesunde Trauben zu ernten. Dieser ist bei uns zertifiziert biologisch-organisch: Gegen Pilzkrankheiten werden Schwefel und Kupfer in geringen Mengen gemeinsam mit Pflanzenölen auf die Rebstöcke ausgebracht. Denn biologische Pflegemittel werden von der Pflanze nicht aufgenommen, sie lagern sich nur außen auf den Blättern an. Da heißt es achten auf Witterung und Gesundheit der Reben, um zum richtigen Zeitpunkt unterstützend einzugreifen. Ende Juli ist auch das beendet, denn die zunehmende Reife verleiht den Trauben eine natürliche Wachsschicht, und die Beeren können sich selbst schützen. Bis zur Traubenreife vergeht jedoch noch viel Zeit, die vom Regen mehrmals gewaschenen Beeren können mit gutem Gewissen direkt vom Stock genascht werden.

Ende des Sommers ist die Laubarbeit beendet und die Trauben beginnen langsam weich zu werden.