Eine Familiengeschichte

Achim Schneyder schreibt über den Mut zur Veränderung, die Kunst des Loslassens und die Freude am Miteinander...

vom Loslassen
und
Zupacken

von Achim Schneyder
Auszug aus dem S-Magazin

Katharina mit Papa Fritz Tinnacher im S-Magazin

…Steinbach bei Gamlitz in der Südsteiermark statt Neusiedlersee und nicht Mutter und Sohn, sondern Vater und Tochter. Aber eines ist auch im Hause Lackner-Tinnacher nicht anders als im Hause Schuster: Die Jugend forscht nicht nur, die Jugend führt auch das Wort. Wie inzwischen auch den Betrieb. Seit 2013 nämlich. „Aber eingestiegen bin ich natürlich viel früher“, sagt Katharina Tinnacher, ein ungemein lebensbejahender und quirliger 1985er-Jahrgang. Tatsächlich wirbelte die junge Dame bereits als sehr junge Dame durch die elterlichen Weingärten und wurde, gemeinsam mit ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Uli, schon im zarten Alter von zehn Jahren von Mama Wilma und Papa Fritz in die Kunst des Rebschnitts eingeführt. „Aber wir wurden nie in irgendetwas hineingedrängt“, sagt Katharina, die ursprünglich Kunstgeschichte studieren wollte, sich dann aber „aus einer Laune heraus“ doch für Weinbau, Önologie und Weinwirtschaft, später auch noch für Pflanzenwissenschaften an der Universität für Bodenkultur entschied „und so richtig reingekippt“ ist. Die Schwester wurde indes Architektin.

 

Katharina schenkt ein. Welschriesling 2015, Wein gewordene Lust auf Sommer. Vater Fritz, der 1978 in das Weingut Lackner eingeheiratet hat, kostet voller Zufriedenheit und lächelt. „Zu wissen, oder zumindest erahnen zu können, dass es weitergehen würde, war damals schon ein schönes und auch irgendwie beruhigendes  Gefühl“, sagt der ausgebildete Weinbaumeister über den seinerzeitigen Interessensschwenk der Tochter in Sachen Studium. Ab dem Jahr 2005 war Katharina schließlich bei jeder Lese dabei, da hatte die Uni zwischenzeitlich das herbstliche Nachsehen. „Aber den eigenen Boden lernst du eben nur zu Hause kennen und nicht auf irgendeiner Fakultät. Und so wichtig das auf der Uni vermittelte Basiswissen auch war, ohne das weitergegebene Wissen meines Vaters stünde ich heute nicht da, wo ich stehe.“ Und sie steht da wie ein Fels, tief verwurzelt wie ein alter Rebstock. Sie managt bald 250 Jahre Familiengeschichte, gerade so, als wär’s ein Klacks, sie arbeitet hart und lässt es so aussehen, als frönte sie einem liebgewonnenen Hobby. Die Leichtigkeit scheint Programm. So schwierig es mitunter auch sein kann. „2010 etwa“, erinnert sich Katharina, „also das erste Jahr, in dem ich hauptverantwortlich für den Wein war, war so ein richtig mieses Jahr. Damals ist auf Island der Vulkan Eyjafjallajökull ausgebrochen und auch bei uns war nicht nur enorm viel Staub in der Luft, es hat auch deutlich mehr geregnet als normal. Aber ich hab’s irgendwie gemeistert.“ Da mischt sich der Vater ins Gespräch: „Nicht irgendwie, sondern großartig.“

 

2013 dann, dem Jahr also, in dem auch der Vertrag zur biologischen Zertifizierung unterschrieben wurde, übernahm Katharina die Betriebsführung. „Meine Frau und ich hielten nichts von Hinhaltetaktik“, sagt Papa Fritz. „Außerdem wussten wir schon damals, in welch gute Hände wir den Betrieb legen. Also war das Loslassen für uns kein Problem. Katharina ist sehr klar, sehr strukturiert und sehr überzeugend.“ Und sehr überzeugt ist sie obendrein. Überzeugt davon nämlich, dass es weiterhin gelingen wird, keine austauschbaren Weine zu machen. „Elegant und vielschichtig sollen sie sein“, sagt Katharina. „Man muss die Herkunft schmecken, den Boden und die Lage.“ All das aber ginge nur einher mit einer steten Entwicklung. „Die Herausforderungen sind heute andere als zu den Zeiten unserer Eltern, weil sich in Sachen Stilistik und Qualität viel getan hat in den Jahren. Man muss offen sein und neugierig, man darf nie betriebsblind werden und sich auf Traditionen ausruhen. So sehr diese Traditionen auch gepflegt werden wollen.“ Die Südsteiermark, dessen ist sich die junge Winzerin absolut sicher, habe enorm großes Potenzial. Potenzial, international künftig eine noch wesentlichere Rolle in der Weinwelt zu spielen als sie es jetzt schon tut. „Und wenn ich in 15 oder 20 Jahren sagen kann, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe, dann habe ich mein Ziel erreicht.“ Da nickt der Vater väterlich und greift zufrieden zum Glas….

 

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Unterschiedliche Blickwinkel? Ja - ab und zu gibt's auch die, aber Vater Fritz denkt nicht daran seiner Tochter ins Handwerk zu pfuschen. Er gibt bestenfalls Ratschläge.