Gewachsene Integration

Sauvignon Blanc vermag es wie keine andere Rebsorte die Besonderheit der Steiermark im Wein auszudrücken. Kein Wunder also, dass die beiden eine besondere Beziehung führen...

Die Sauvignon Blanc Rebe stammt ursprünglich aus Frankreich und wurde dort erstmals Anfang des 18. Jahrhunderts urkundlich erwähnt. Die natürliche Kreuzung von Traminer und Chenin Blanc erkennt man im Weingarten an ihren fünflappigen, am Rand gewellten Blättern und ihren kleinen, dichtbeerigen Trauben mit runden bis ovalen, grüngelben Beeren. Sie zählt in ihrem Ursprungsland zu den „Cépages nobles“ und gehört damit neben Chardonnay, Chenin Blanc, Riesling und Sémillon zu den edelsten weißen Rebsorten der Welt. Früher war Sauvignon Blanc vorrangig im Loiretal, in den Gebieten Sancerre und Puilly Fume und in Bordeaux vertreten. Heute gilt die Rebe als international verbreitete Sorte, die unter anderem in Südafrika, Neuseeland, Chile, Südtirol, Deutschland und Österreich angebaut wird. Der Grund für ihre weltweite Verbreitung ist ihr vielfältiges Aromenspektrum, das unterschiedliche Klimate, Böden und Ausbauweisen reflektiert und in jedem Weinbaugebiet individuelle Weine hervorbringt.

Botschafter für die Steiermark: Der Sauvignon Blanc

In die Steiermark kam die Sauvignon Blanc Rebe durch Erzherzog Johann. Der große Reformator und Visionär arbeitete Zeit seines Lebens daran, die steirischen Bauern zu Neuerungen anzuspornen um ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern. Bereits sehr früh interessierte sich Erzherzog Johann auch für den Weinbau und schon 1817 erkannte er, wie wichtig eine genaue Bestimmung aller Rebsorten wäre. 1822 erwarb er ein Weingut in der Untersteiermark bei Marburg im heutigen Slowenien und kultivierte über 450 Rebsorten in Versuchsweingärten, die er in einer angeschlossenen Rebschule vermehrte. Von dort aus verbreitete sich der Sauvignon Blanc in der Steiermark und fand so eine neue Heimat.

Erzherzog Johann - Visionär und Reformator mit Liebe zum Wein

Es sollte aber noch mehr als 150 Jahre dauern, bis die Sorte zum bedeutendsten Vertreter der Region aufstieg, denn ursprünglich wurde sie aufgrund ihrer kleinen Trauben und geringen Erträge kaum reinsortig sondern bevorzugt im gemischten Satz als geschmacksbringende Komponente ausgepflanzt. Die ersten reinen Sauvignon Blanc Anlagen sind Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, der älteste noch bestehende Weingarten steht in Straden und stammt aus dem Jahr 1937. Oft wurden damals Rebe und Wein mit dem Synonym Muskat-Sylvaner bezeichnet, obgleich im Lesebuch unseres Weinguts aus dem Jahr 1942 von Sauvignon Blanc die Rede ist. Zu dieser Zeit gab es auch eine Rebschule im Weingut und jene Rebstöcke, die am besten auf den heimischen Böden adaptierten und die qualitativ hochwertigsten Trauben hervorbrachten wurden vermehrt. Noch heute pflanzen wir diese alten Selektionen und auch wenn der Sauvignon Blanc keine autochthone Sorte ist, hat sich doch im Laufe des letzten Jahrhunderts eine ganz besondere Verbindung zwischen den Reben und dem steirischen Boden entwickelt.

Leseergebnis 1942: Am 20. Oktober wurde der Sauvignon Blanc mit 21° KMW geerntet.

In den 1980er Jahren erkannten viele steirische Winzer das große Potential des steirischen Sauvignon Blanc und begannen ihn vermehrt auszupflanzen. Im Jahr 1999 betrug die bestockte Fläche 177 Hektar, 2016 gab es bereits mehr als 680 Hektar Sauvignon Blanc, was die Sorte auch flächenmäßig zur bedeutendsten der Steiermark macht. Zu Recht sind heute die besten Weinlagen und Rieden damit bepflanzt, denn die Rebe vermag es wie kaum eine andere die besonderen Eigenheiten der Südsteiermark im Wein auszudrücken. Das regenreiche Klima mit den heißen Tagen und kühlen Nächten fördert beim Sauvignon Blanc vielschichtige Aromen und in Verbindung mit mineralischen Böden und sorgfältigem Ausbau entstehen daraus höchst eigenständige Weine. Die Rebe verlangt gute Lagen, aber eher karge Böden. Sie kann auf Kalk-, Sand-, Mergel-, Schiefer- oder vulkanischem Untergrund spannende Weine hervorbringen und auch die klimatischen Eigenheiten einer Riede perfekt im Wein wiedergeben.

Die Dichte der Laubwand bestimmt die Aromen der Trauben.

Für die charakteristischen Sauvignon Blanc Aromen sind Methoxypyrazine (Geruch nach Paprika und grünem Pfeffer) und Mercaptane (Aromen, die an Grapefruit, Passionsfrucht und schwarze Johannisbeeren erinnern) verantwortlich. Je kühler das Klima und dichter die Laubwand in der Reifephase ist, desto höher liegt der Gehalt der Methoxypyrazine, je reifer die Trauben sind, desto mehr gehen die Aromen in Richtung exotischer Früchten, Holunder und Cassis. Die Steiermark mit ihren warmen Tagen und kühlen Nächten bietet das Potential für beide Stile und so gibt es einerseits frische, säurebetonte Sauvignon Blancs mit grasig-grünen Noten, aber auch reifere, vollmundigere Lagenweine mit tiefgründigen, komplexen, mineralischen Noten die auch mit vielen Jahren Flaschenreife große Freude bereiten.

Große Lage - Großes Reifepotential: Sauvignon Blanc Ried Welles

SAUVIGNON BLANC RIED WELLES 15

Die tiefgreifenden und profunden Aromen erinnern an Johannisbeere, Cassis, rote Schoten, Sanddorn, Wacholder und Brombeerblätter. Am Gaumen findet man wiederum Cassis, aber auch  Weingartenpfirsich, weiße Ribisel, Ysop, einen Hauch von Lakritze, salzig-mineralische Noten und rauchige Komponenten. Dicht und körperreich ist der mineralische Welles ein Wein von großer Komplexität und Länge, ausgestattet mit einem hohen Maß an Eleganz. Das intensive Finale zeugt von einer delikaten und feinen Struktur, die lange nachhallt. Ein Wein mit großem Reifepotential.

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