Die WEINKOLLEKTION 2026

2026

Wie schmeckt ein warmer Jahrgang, wenn Herkunft, Geduld und präzise Entscheidungen im Mittelpunkt stehen? Max Kaindl hat unsere neue Weinkollektion verkostet und seine Eindrücke festgehalten.

LacknerTinnacher 2024: Kühle Präzision aus einem warmen Jahr

2024 war in der Südsteiermark ein warmes Jahr mit ausgewogenen Niederschlägen, früher Reifeentwicklung und einem sehr engen Lesefenster. Ab August zogen Zucker, physiologische Reife und Gerbstoffe enorm schnell an. Der Lesestart am 5. September kam deshalb genau zum richtigen Zeitpunkt. Entscheidend war, die Trauben reif zu ernten, ohne die Frische und innere Spannung zu verlieren.

Bei Lackner Tinnacher ist daraus eine Kollektion entstanden, die den warmen Jahrgang nicht verleugnet, ihn aber erstaunlich fein interpretiert. Die Weine besitzen Kraft, Körper und reife Frucht, wirken dabei aber kühler, präziser und frischer, als man es von 2024 vielleicht erwarten würde. Reife Säure, feines Fruchtspiel, ein festes Gerbstoffgerüst und eine saftige, animierende Textur ziehen sich als roter Faden durch die Kollektion.

Im Vergleich zum kühlen, regenreichen und straffen Jahrgang 2023 zeigt 2024 mehr physische Präsenz, mehr Reife und mehr Struktur. 2023 steht bei Lackner Tinnacher für Säure, Leichtigkeit und tänzelnde Spannung. 2024 dagegen für Substanz, Reife und kontrollierte Kraft. Entscheidend ist jedoch: Die Weine kippen nie in Breite oder Schwere. Sie bleiben auf Spannung.

Gerade darin liegt die Stärke dieser Kollektion. Lackner Tinnacher zeigt 2024 nicht als lauten, üppigen Jahrgang, sondern als Jahr der präzisen Entscheidungen. Die Weine sind reif, aber nicht breit. Saftig, aber nicht süßlich. Strukturiert, aber nicht zehrend. Sie besitzen Muskeln, aber kein Fett.

Besonders spannend ist die Eigenständigkeit der Sauvignon Blancs. Sie definieren sich nicht über plakative Aromatik, sondern über Textur, Herkunft, Gerbstoff und Länge. Dadurch bekommen sie eine fast burgundische Dimension. Leise, tief, strukturell und präzise. Auch die Burgundersorten zeigen sich substanzreich und dicht, behalten aber ihre helle, klare und elegante Struktur.

Die unterschiedlichen Rieden treten dabei klar hervor. Gamlitz steht als Ort für präzise Frucht. Die Riede Eckberg für Zugänglichkeit und geschmeidige Struktur. Der Steinbach für Wärme, Dichte und steinige Markanz. Der Flamberg für kühle Spannung und salzige Tiefe. Die Riede Welles für Konzentration, Reduktion und vibrierende Präzision. Die Weine erzählen nicht nur von Rebsorten, sondern vor allem von Herkunft.

Max Kaindl

Die Weine

Franz Lackner Welschriesling 2025
Welschriesling kann viel mehr, als man ihm oft zutraut. Dieser Wein zeigt das ziemlich direkt. In der Nase zerstoßene Steine, helle Blüten, Wiesenkräuter, grüner Apfel, dazu dieser kühle, saftige Zug am Gaumen. Mit Luft wird die Frucht klarer und reifer, fast rotschaliger Apfel, die Säure bleibt rassig, das Finish fein salzig. Kein simpler Trinkwein, sondern ein heller, präziser, sehr animierender Speisenbegleiter mit Geschichte.

Gamlitz Sauvignon Blanc 2025
Ein Sauvignon Blanc, der nicht schreit. Gelbe Frucht, etwas Litschi, ein Hauch Stachelbeere, aber alles fein und leise. Am Gaumen saftig, strukturiert, mit reifer Säure, feinem Gerbstoff und hellem, kühlem Saft. Mit Luft wird er noch balancierter, die Frucht rückt Richtung Apfel und helle Würze. Sehr animierend, sehr präzise, sehr Lackner Tinnacher.

Ried Eckberg Weissburgunder 2024
Der Charmeur der Burgunderlinie. Reife Birne, Quitte, helle Blüten, feine Mandel. Am Gaumen zunächst würziger als die Nase vermuten lässt, mit reifer Säure, leicht rauem Gerbstoff und saftigem Zug. Mit Luft wird er geschmeidiger, klarer, trinkiger. Ein Wein, der genau weiß, wie viel Struktur Charme verlangt.

Ried Eckberg Morillon 2024
Dunkler, dichter und ruhiger als der Weissburgunder aus derselben Lage. Zerstoßener Stein, feine Reduktion, reife Steinfrucht, alles sehr leise, aber mit Tiefe. Am Gaumen saftig, eng gewoben, mit feinem Schmelz, reifer Säure und leicht schmirgelndem Gerbstoff. Mit Luft wird er harmonischer und komplexer. Ein charmanter Morillon mit Substanz.

STEINBACH

Ried Steinbach Grauburgunder 2024
Grauburgunder ohne Schwere. Reife gelbe Steinfrucht, Birne, Walnuss, leichte Würze. Zunächst rund und geschmeidig, dann mit Luft deutlich fester, heller und spannender. Die Frucht wird leiser, die Würze präziser, der Gerbstoff greift mehr. Am Ende steht ein saftiger, leicht salziger, überraschend kühler Grauburgunder. Genau so sollte diese Sorte öfter schmecken.

Ried Steinbach Sauvignon Blanc 2024
Der lauteste Sauvignon der Runde, aber laut ist bei Lackner Tinnacher relativ. Reife Stachelbeere, weiße Johannisbeere, Zitrus, helle Kräuter. Am Gaumen straff, dicht, vibrierend, mit festem Gerbstoff, reifer Säure und fast feuersteinartiger Spannung. Mit Luft wird der Gerbstoff seidiger, die Balance besser. Ein Sauvignon mit Muskeln. Aber ohne Fett.

Ried Steinbach Morillon 2024
Ein feiner, leiser Morillon mit viel innerer Spannung. Weißer Pfirsich, helle Blüten, Zitrusschale, etwas Stein. Am Gaumen saftig, dicht, präzise, mit reifer Säure und festem, feinem Gerbstoff. Nicht breit, nicht cremig, nicht laut. Der Wein gleitet geradlinig über die Zunge und bleibt lange im saftigen Finish. Steinbach zeigt hier seine ruhigere, tiefere Seite.

FLAMBERG

Ried Flamberg Morillon 2023
Die Ried Flamberg ist kühler, kalkiger, später in der Reife. Und genau das schmeckt man. Reife hellgelbe Steinfrucht, gerösteter Apfel, helle Würze, dazu viel Tiefe. Am Gaumen fest, salzig, stoffig, mit zupackendem Gerbstoff und saftiger Textur. Mit Luft wird er feiner, geschmiedeter und kühler, ohne an Kraft zu verlieren. Kein Nebenbei-Wein. Ein Morillon für den Tisch.

Ried Flamberg Sauvignon Blanc 2023
Eine kraftvolle Prima Ballerina. Stachelbeere, Limettenzeste, weißer Pfirsich, Kräuter, nasser Stein. Die Nase ist reif, der Gaumen deutlich kühler. Zarter Schmelz, lebendige Säure, feines Frucht-Säure-Spiel, fast tänzerisch im Fluss. Mit Luft wird der Wein ruhiger, feiner und noch präziser. Sauvignon Blanc mit Körper, aber auf Zehenspitzen.Tinnacher.

WELLES

Ried Welles Sauvignon Blanc 2023
Dieser Wein springt einen nicht sofort an. Er zieht einen eher in sich hinein. Nasser Stein, feine Reduktion, helle Sauvignon-Frucht, weißes Fruchtfleisch. Am Gaumen saftig, dicht, aber unglaublich fein. Reife Säure, zarter Schmelz, fester Gerbstoff, langer Trinkfluss. Mit Luft wird er ruhiger, klarer, balancierter. Tief, leise, komplex. Ein Sauvignon Blanc für Menschen, die Zwischentöne lieben.

Ried Welles Morillon 2022
Ein Powerwein, ohne dabei dick aufzutragen. Toast, Brotrinde, Anis, helle Kräuter, etwas Reduktion, dazu viel Salz und Druck am Gaumen. Das Holz ist präsent, aber gut integriert. Der Wein ist fest, vibrierend, lang, fast jodig im Finish. Mit Luft wird er saftiger und geschmeidiger, bleibt aber fordernd. Unbedingt essen dazu und Zeit in der Karaffe geben.

SERNAU

Ried Sernau Sauvignon Blanc 2019
Fritz Tinnacher‘s traditionelle Stockkultur

Die Ried Sernau liegt höher als die Ried Welles, als kleiner Südhang in traditioneller Stockkultur gepflanzt. Einzelpfahlerziehung, Dichtpflanzung, Trauben nah am Boden, fünf Jahre auf der Hefe ausgebaut. Fritz Tinnacher hat diesen Weinberg bewusst als Erinnerung an frühere steirische Weinbauformen angelegt und Katharina 2016 geschenkt.

Das ist kein normaler Sauvignon Blanc. Das ist ein Wein mit Geschichte. Dicht, intensiv, erst leicht grünlich, dann Passionsfrucht, Mango, Stachelbeere, aber ohne jeden Kitsch. Am Gaumen saftig, konzentriert, salzig, mit reifer Säure, feinem Gerbstoff und enormem Druck. Mit Luft wird er leiser, tiefer, komplexer. Ein Kontemplationswein. Ein Wein, in den man sich verlieren kann und der es verdient, mit Kontext genossen zu werden.

Der Autor

Max Kaindl lebt in München und schreibt seit vielen Jahren über Wein. Als Gründer des Blogs The Art of Riesling, Weinautor und WSET-Diploma-Student beschäftigt er sich intensiv mit Herkunft, Stilistik und den Menschen hinter den Weinen.

Vor allem aber ist er ein begeisterter Weinliebhaber, der seine Eindrücke mit großer Präzision und Leidenschaft in Worte fasst.